„... alle Jugendlichen suchen ja in der Pubertät den Sinn des Lebens“ – Radikalisierungsprozesse aus Perspektive von Fachkräften der Präventionspraxis
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Universität Vechta
Abstract
Der Beitrag widmet sich auf Basis von 25 leitfadengestützten Interviews mit Fachkräften der Islamismusprävention unterschiedlichen Perspektiven auf Radikalisierungsprozesse. Im Zentrum steht die Frage, welche Narrative und Annahmen über diese Prozesse im Handlungsfeld vorherrschen. Als Analyseraster dient eine Heuristik auf Grundlage der Synthese gängiger Modellierungen von Radikalisierungsverläufen. Im Ergebnis zeigen sich bei den befragten Fachkräften vier vorherrschende Typen, in denen jeweils unterschiedliche Schwerpunkte hervorgehoben werden. Im ersten Typ wird Radikalisierung als ein Stufenprozess verstanden, der mit einem identifizierbaren Auslöser oder Wendepunkt beginnt und zu einer intensiven Auseinandersetzung mit radikalen Ideologien führt. Der zweite Typ sieht Radikalisierungsprozesse als jugendspezifische Orientierung an, wobei Jugendlichen
grundsätzlich eine erhöhte Empfänglichkeit für radikale Narrative zugeschrieben wird. Der dritte Typ hebt die Bedeutung des sozialen Umfelds und negativer Reaktionen auf religiöse Sinnsuche für Radikalisierungsprozesse hervor. Im vierten Typ wird Radikalisierung insbesondere als Rekrutierung durch etablierte radikale Szenen betrachtet, die gezielt neue Mitglieder gewinnen wollen. Dies geschehe durch Inszenierung als Vertreter*innen der Muslim*innen und durch das Ausnutzen gesellschaftlicher Debatten. Die Ergebnisse zeigen, dass Fachleute der Präventionspraxis unterschiedliche Perspektiven auf Radikalisierungsprozesse haben, wodurch Diskurse über das Phänomen beeinflusst und potenziell unterschiedliche Ansätze der Prävention impliziert werden.
Description
Keywords
Radikalisierung, Religion, Islamismus, Prävention

